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naturnaher Garten

Elisabeth Eschmann

Tannenweg 9

14.10.19, 18:11

Wir werden immer öfter wegen unseres Gartens angesprochen. Es gibt wohl doch mehr Menschen als gedacht, die eine gewisse Wildnis im Garten mögen und ebenfalls ein kleines Paradies für Tiere schaffen wollen. Deshalb möchte ich an dieser Stelle für alle Interessierten ein paar Tipps aufschreiben.

Solch Garten macht, wenn er denn angelegt ist, weniger Arbeit als man vielleicht denkt. Wichtig ist, dass man einheimische Pflanzen bzw. Saatgut kauft. Die Pflanzen aus den Baumärkten eignen sich auf keinen Fall, denn sie sind stark mit Pestiziden verseucht und töten Insekten statt sie zu ernähren.

Eine sehr gute Adresse ist "Vivara". Einfach im Internet eingeben. Vivara arbeitet mit dem Nabu zusammen, und die Qualität der Pflanzen ist hervorragend. Die Pflanzen werden nicht in Gewächshäusern gezüchtet, sind also sehr robust. Sie sind sehr klein und blühen nicht, wenn sie geschickt werden. So soll es auch sein, denn anfangs kommt es vor allem darauf an, dass sie Wurzeln bilden. Dafür blühen sie später um so üppiger.
Bei uns haben sie sich schon so gut vermehrt, dass ich gerne an Interessierte einige Ableger abgeben kann. Wer also interessiert ist, einfach mal klingeln und nachfragen.

Die Blütenstände sollten im Winter stehen bleiben, weil dort viele Insekten überwintern. Ruhig mal einige Stiele abbrechen, das ergibt dann gute Überwinterungsmöglichkeiten. Auch wenn es nicht so schön aussieht, viele Tiere brauchen solche Rückzugsmöglichkeiten. Wir hatten im letzten Winter sehr viele Vögel, die von dem Samen genascht haben. Zum Beispiel Stieglitze, Grünlinge, Birkenzeisige, Erlenzeisige, verschiedene Meisenarten sowieso.

Ich kopiere hier einen Auszug einer Mail vom Nabu. Dort hatte ich mal wegen unserer Wildblumenecke nachgefragt:
"Normalerweise ist es so, dass die bekannten Saatguthersteller, wie bspw. Saatemn-Zeller oder Rieger Hoffmann, zu den einzelnen Saatenmischungen auch gleich Pflegehinweise vermitteln.

Es gibt folgende Empfehlungen, welche generell zutreffen:

- die abgeblühten Blumen sollten in jedem Fall nach Möglichkeit über den Winter stehen bleiben, sie bieten Schutz und Überwinterungsmöglichkeiten für Insekten

- eine erste Mahd kann bereits im Mai/Anfang Juni erfolgen, insbesondere dann, wenn in der Fläche eine Zunahme von Gräsern beobachtet wird

- die Mahd muss nicht zeitgleich auf der ganzen Fläche erfolgen, besser ist es, einige Teilbereiche auszusparen und ca. 2 Wochen versetzt zu mähen (Blütenangebot erhalten, Versteckmöglichkeiten für bspw. Heuschrecken)

- das Mahdgut sollte unbedingt abgetragen werden! Wir haben mittlerweile durch die Landwirtschaft und den Verkehr so hohe Stickstoffwerte in der Luft (Nährstoffe = Dünger), dass gerade die wilden Arten massiv darunter leiden und von den Flächen verschwinden. Diese Arten können hohe Nährstoffgaben nicht vertragen.

Eine zweite Mahd könnte, je nach Blühaspekt (also wenn ein Großteil der Blumen bereits verblüht ist) Ende Juli/ Anfang August erfolgen, damit einige Blumen noch einmal austreiben können und Nektar und Pollen bis in den Herbst angeboten werden. Diese zweite Mahd sollte aber grundsätzlich davon abhängig gemacht werden, wie die Wetterbedingungen für das Nachwachsen sind. Sollte es so wie in diesem und im letzten Jahr zu trocken sein, ist eine zweite Mahd nicht notwendig, da der Aufwuchs auf Grund der Trockenheit nicht erfolgt."

Ich hoffe, dass ich einige Fragen beantworten konnte. Wenn nicht, fragen sie ruhig nach. Ich habe mich sehr intensiv beschäftigt, welche Schmetterlinge bzw. Insekten welche Nahrungspflanzen brauchen. Man kann auch sehr viel in den Newsletter vom Nabu lesen.

Wir freuen uns, wenn es in Biesenthal noch mehr Mitstreiter gibt. Leider sind die meisten Gärten keine mehr, nur Rasen, Kirschlorbeer und Lebensbäume. Vielleicht können wir es gemeinsam schaffen, dass Biesenthal bald mehr blühende Gärten hat, in denen es summt und brummt.

Elisabeth Eschmann